26.09.2025

Die Überschreitung des Kleinen und Großen Barmsteins setzt sich aus den beiden Kletteranstiegen über deren Südgrate zusammen, die Abstiege erfolgen jeweils überraschend einfach über Wanderwege. Die beiden Südgrate unterscheiden sich dabei wesentlich im Charakter der Kletterei. Ist der Kleine Barmstein von Süden noch äußerst genussvoll im festen Fels und bei guter Absicherung zu erklettern, sieht man sich bei seinem Großen Bruder mit unzuverlässigem Fels, Erde und vielen Pflanzen, die teilweise auch als Griff herhalten müssen, konfrontiert. Abgesehen von den beiden Ständen befinden sich beim zweiten Anstieg auch nur wenige Normalhaken, die zusätzliche Absicherungsmöglichkeit ist wegen der schlechteren Felsqualität teilweise eingeschränkt.

Der Südgrat des Kleinen Barmsteins ist nicht nur aufgrund der guten Absicherung äußerst beliebt, was man auch schon ein wenig dem Fels ansieht. Die henkelige und für diesen Schwierigkeitsgrad (2-3) teilweise recht steile Kletterei verläuft im meist sehr festen Fels, der sich überdies auch noch hervorragend selbst absichern ließe. Das letzte Drittel des Anstiegs ist leichtes 1er Gelände, ehe man schon bald am Gipfel steht.

Schon der eigentliche "Zustieg" über ein Grasband zum Südgrat des Großen Barmsteins ist kurz vor dem Ende bei einem Baum ganz schön ausgesetzt, bereits hier ist eine Seilsicherung empfehlenswert. Gleich danach erreicht man ein kurzes Fixseil, das eigentlich ein paar Meter davor sinnvoller gewesen wäre. Es führt zu einem ersten Stand. Von hier wird der Anstieg zunehmend grasiger mit vielen Sträuchern und ist zudem nicht klar vorgegeben. Man sucht sich also den besten Weg durch die vertikale Botanik, überprüft erdige Blöcke, flucht in Ermangelung vertrauenserweckender Griffe leise vor sich hin, denkt über die Sinnhaftigkeit seines Handelns nach und versucht mobile Sicherungsmittel in mehr oder weniger zweckdienliche Risse zu legen und dabei die Seilreibung nicht zu überstrapazieren. Vom willkommenen Bohrhakenstand aus erreicht man linkshaltend nach etwa 15-20 Metern einen weiteren Standplatz, ehe der Anstieg bei einem großen Block rechtsquerend unter die Schlüsselstelle (4-, klassisch bewertet) der Route führt. Diese Verschneidung entpuppt sich als klettertechnisches Highlight im festen, schönen Fels, stellt den einen oder anderen (natürlich alten) Haken bereit und lässt sich auch noch zusätzlich ganz passabel absichern. Nach wenigen Metern erreicht man den Gipfel des Großen Barmsteins.
