09.06.2025

Eiskarlspitz Südostgrat (Normalweg)

2+, 200m

logischer und schöner Anstieg auf den dreigipfeligen Felsturm, trotz guter Absicherung eher selten besucht

ungefährer Routenverlauf Eiskarlspitz Südostgrat
ungefährer Routenverlauf Eiskarlspitz Südostgrat

"Die Eiskarlspitze wird wohl nur darum so wenig besucht, weil sie das unverdiente Mißgeschick erfuhr, daß die ersten Ersteiger es verabsäumten auf die Schönheit dieser Tour aufmerksam zu machen."  So beginnt Heinrich Pfannl, dem als Erster die Ersteigung des Nordwestgipfels über den Südostgrat im Jahr 1896 gelang, seinen Bericht darüber in der Österreichischen Alpenzeitung. An dem mäßigen Besucherandrang scheint sich bisweilen wenig geändert zuhaben, zu verlockend erscheinen die umliegenden Ziele wie Torstein, Mitterspitz, Dachstein und diverse Kletterrouten im Bereich der Adamekhütte. 

 

Die Ersteigung des Eiskarlspitz ist von der Sulzenalm (PP Wallehenhütte) gut als Tagestour machbar. Zu beachten gilt, dass am Zustieg unterhalb der Windlegerscharte noch bis in den Frühsommer Schneefelder vorhanden sein können, die evtl. die Mitnahme von Steigeisen (und Pickel) erforderlich machen. Ansonsten bietet der Anstieg zur Scharte kaum Schwierigkeiten, er ist mit Stahlseilen bestens präpariert. Bereits kurz nach der Scharte erblickt man den Eiskarlspitz, der anfangs noch völlig abweisend aussieht, beim Näherkommen lässt sich der Anstiegsverlauf jedoch schon immer besser erahnen. 

Der Beginn des Südostgrats bietet freundliche Schrofenkletterei im gestuften Graspolstergelände. Schon bald verschmälert er sich aber, sodass es links und rechts sehr abschüssig wird und auch die Felsqualität zur Vorsicht mahnt. Dem noch nicht genug schwingt sich der anfängliche Grat schon bald zu einem steilen Pfeiler auf, auf dessen direkter Linie man den 2. Schwierigkeitsgrat vergeblich sucht. Die Lösung des Problems findet man auf der oberösterreichischen Seite in Form eines schwach ausgebildeten, ansteigenden Bandes, von dem man bald wieder zum Grat zurück klettert. Immer noch sehr exponiert verfolgt man den Grat  bis zu einer flachen Stelle wenige Meter unterhalb des Ostgipfels. Bereits hier kann man, diesmal auf der Salzburger Seite, an einem anfangs etwas abdrängenden bald aber sehr breiten Band nach links herum queren, um den steilen Abbruch des Ostgipfels zur nächsten Scharte zu umgehen. Vom Ende des breiten Bandes steigt man durch einen 2-Meter-Kamin auf ein schmales aber gutgriffiges und festes Band, das alsbald in die Scharte führt. Von hier leitet die nächste Seillänge bereits bis knapp unter den Hauptgipfel, ehe die letzten 20 Meter im leichten blockigen Gelände zurückgelegt werden. Das Gipfelbuch hat sich leider bereits zersetzt und es ist nur noch ein schleimiger Rest davon übrig. Da von einer Abseilpiste nichts veröffentlicht ist, muss der Aufstiegsweg auch als Abstieg benutzt werden. Der Großteil kann dabei jedoch abgeseilt werden, falls man ein genügend langes Seil (Empfehlung 60m) dabei hat. 

Der Anstieg ist quantitativ gut mit meist recht dünnen Torstahlbügeln, vereinzelt auch mit Bohrhaken, abgesichert, mobile Sicherungsmittel sind nicht notwendig. Der Charakter der Kletterei ähnelt aufgrund der Exposition eher einer klassischen Dreier-Route, die eine oder andere Stelle kratzt auch schon hinsichtlich ihrer technischen Schwierigkeit an diesem Grad. 

Die Höhe des Eiskarlspitz variiert in den diversen Karten zwischen 2452 m (Kompass), 2470 m (Open Street Map), 2480 m (AMap) und 2482 m (Freytag & Berndt). In der Alpenvereinskarte werden alle drei Gipfel mit ihrer Höhe angegeben. Der Mittlere misst dabei 2464 m, der Östliche 2480 m, also höher als der Mittlere, was nicht stimmen kann. In älteren Alpenvereinskarten wird der Eiskarlspitz noch mit einer Höhe von 2472 m angegeben, diesen Wert lieferte auch unsere Höhenmesser-Uhr. 

 

Die Eiskarlspitze - Bericht von Heinrich Pfannl (in Österreichische Alpenzeitung, Band 18, 1896)

Topo Eiskarlspitz Südostgrat
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