20.09.2018

Kleiner Hafner Nordpfeiler

3+, 300m + 3 Sl am NO-Grat

schöne, alpine Kletterei in einsamer Gegend

ungefährer Routenverlauf Kl. Hafner Nordpfeiler
ungefährer Routenverlauf Kl. Hafner Nordpfeiler

Der Nordpfeiler des Kleinen Hafners (3018m) wurde im Juli 1920 von Adolf Iglseder und Fritz Zeymer erstmals begangen, letzterem gelang die Erstbegehung mit einer Beinprothese, die er in Folge einer Verletzung im Ersten Weltkrieg trug. Inzwischen dürfte dieser Anstieg sehr selten geklettert werden - man findet nur sehr spärliche Informationen darüber. 

  

Vor allem landschaftlich hat die Hafnergruppe mit ihren idyllischen Gebirgsseen und den über den Gletscherresten aufragenden Felswänden und Graten viel zu bieten. Schon der Alpenmaler E.T. Compton zählte die Landschaft um den Rotgüldensee zu den schönsten in den Alpen. 

 

Als Ausgangspunkt zu dieser Tour bietet sich die Rotgüldenseehütte an, von der man schon nach kurzer Zeit den Oberen Rotgüldensee erreicht. Man verfolgt den Wanderweg noch eine Weile Richtung Wastlkarscharte, ehe man weglos dem Nordpfeiler zustrebt. Dieser zieht nicht direkt vom Gipfel des Kleinen Hafners herab, sondern mündet in dessen NO-Grat ein.  Über sehr gut gangbares Gelände des Wilden Wagendristl erreicht man den Pfeiler, links neben dem stark zurückgegangenen Rotgüldenkees. Der kurze Vorbau ist rechts gut umgehbar, ehe der Pfeiler sich schon bald aufschwingt.

 

Die erste Seillänge  gestaltet sich durchaus etwas abweisend und plattig, der Weg scheint nicht ganz klar vorgegeben. Die Route führt danach aber in unmittelbarer Nähe des Gratverlaufs hinauf und ist leicht zu finden. Die Absicherung ist mit Klemmgeräten meist sehr gut zu bewerkstelligen, ein Satz sollte dafür ausreichend sein. Aufgrund des eher plattigen Gesteins ist die Verwendung von Kletterschuhen jener von Bergschuhen vorzuziehen, auch ist die Kletterei für den  3. Grad keineswegs banal. Bei Nässe kann der Fels wegen des Flechtenbewuchs sehr rutschig werden, ansonsten klettert es sich im meist festen Fels recht genussvoll.  Nach ca. 8 Seillängen verflacht sich der gratartige Pfeiler und geht in eine gut gangbare Flanke über, ehe es zum NO-Grat hin wieder abschüssiger wird (evtl. eine weitere Seillänge).

 

Am NO-Grat geht es flott bis zu einem markanten Überhang im Gratverlauf (von Frido Kordon "Vogelschnabel" genannt) dahin. Dieses Hindernis wird links in wenig markanten Felsstrukturen umgangen, die anfänglich gar nicht so leicht aussehen, an die Schwierigkeiten des Nordpfeilers aber nicht heranreichen. Nach einer langen Seillänge orientiert man sich wieder nach rechts zum Grat hin und erreicht nach zwei weiteren Seillängen den Gipfel des Kleinen Hafners (3018m). 

Der logische Weiterweg zum Großen Hafner (ca. 30 min.) verlangt noch einmal ein paar Passagen im Schwierigkeitsgrad 1-2, alternativ kann man vom Kleinen Hafner über ein eher mühsames aber unschwieriges Blockfeld Richtung Kattowitzer Hütte absteigen. Der Abstieg von der Wastlkarscharte ist im oberen Teil ähnlich einem Klettersteig versichert, viel Schutt sorgt zudem für eine hohe Steinschlaggefahr, v.a wenn gerade weitere Bergsteiger in diese Bereich unterwegs sind. 

 

Der NO-Pfeiler des Kleinen Hafners stellt ein landschaftlich überaus schönes Kletterabenteuer dar und setzt mit seiner Einsamkeit einen Kontrapunkt zu den vielbegangenen Modetouren anderer 3000er. 


Topo Kleiner Hafner Nordpfeiler
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